Efeu - Die Kulturrundschau

Die besten Kritiken vom Tage. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr.

Sich in die Wolken werfen

15.10.2026. Völker Schlöndorffs Adaption von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung" fällt bei den Kritikern durch: Belanglose Postkartenbilder mit viel Bevormundung, winken Filmdienst und FAZ ab. Die Zeit hat indes nichts dagegen, wenn Jan Schmidt-Garre in seinem Dokumentarfilm über Teodor Currentzis alle Kritik am putinnahen Dirigenten ausspart. SZ und Welt staunen in Dresden, wie mutig Correggio selbst religiöse Bilder erotisierte. Und die FAZ lernt in Weil am Rhein von Geoffrey Bawa, wie ökologisches Bauen gelingen kann.

Irgendeine geheime Enthüllung

14.10.2026. Die taz blickt auf die queere Kunstszene in der Türkei, die nach Erdogans LGBTQ-Razzia in Furcht verharrt. Die FAZ freut sich über Janek Liebetruths Theaterstück "Freiheit-Simson": eine Hommage an die Simson-Schwalbe, ganz ohne Ostalgie. Geschichte der Gegenwart ärgert sich über die letzte Staffel der Serie "Babylon Berlin", die mehr Zeichen historischer Vergesslichkeit ist als Mahnung. Und die FR feiert das Comeback der Neo-Soul-Pionierin Erykah Badu.

Rücken zu Brücken

13.10.2026. Die taz staunt über die mutige Theaterszene in Tbilissi, die der Repression durch die putintreue Kavelashvili-Regierung trotzt. Ebenfalls die taz bringt eine zornige Antwort auf Maxim Billers Forderung an die Literaturkritik, nur noch das Wahre, Gute, Schöne zu besprechen. Die Welt erinnert sich in einer Pariser Ausstellung daran, warum die amerikanische Freiheitsstatue französisch und weiblich ist. Sebastian Brameshubers Film "London" zeigt, freut sich critic.de, dass Dialog über schwere Themen auch in unserer zerstrittenen Gegenwart noch möglich ist.

Einmal als Opfer, einmal als Täter

12.10.2026. Die Frankfurter Buchmesse ist zu Ende, die Feuilletons resümieren. Der Standard ärgert sich über männliche Autoren, die historische Frauenfiguren in Romanen mansplainen. Der russische Pianist Alexander Malofeev ist im Exil - die FAZ ist beeindruckt von seinem neuen Album. Die SZ geht mit Arnold Schönbergs "Moses und Aron" in Basel auf Höhenflug. Sie informiert auch über die NS-Vorgeschichte des Architekten Josef Kaiser. Die FAZ bestaunt in Amsterdam Zeichnungen von Willem de Kooning.

Schön war das alles nicht

10.10.2026. Die Feuilletons resümieren recht nüchtern die Frankfurter Buchmesse, die dank neuem Hallenkonzept den letzten Rest Glamour verloren hat, wie die taz bedauert. Die NZZ vertieft sich am Rande der Messe in die Kunst des tschechischen Samizdat. Die FAS blickt in der Tate Britain nostalgisch zurück in die wilden Neunziger, die Welt erinnert sich im Gropiusbau nicht weniger wehmütig an Christoph Schlingensief. Außerdem schauen FAS und Welt interessiert, aber kritisch Volker Schlöndorffs Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman "Heimsuchung". Und die taz lässt sich vom neuen Album von Bilderbuch retten.

Irgendwo zwischen Himmel und Küchentisch

09.10.2026. Die Feuilletons gratulieren der kanadischen Altgräzistin und Lyrikerin Anne Carson zum Literaturnobelpreis. In der NZZ erklärt ihre Übersetzerin Marie Luise Knott den typischen Carson-Effekt: das Paradox der fernen Nähe. In ihrer von VAN dokumentierten Rede zum Auftakt des Bonner Beethoven-Festes erklärt die belarusische Dirigentin Maria Kalesnikava, wie Kultur helfen kann, sich selbst zu bewahren. Ziemlich uneins sind die Theaterkritiker über Thomas Ostermeiers Inszenierung des Broadway-Hits "Stereophonic" an der Schaubühne. Und der Perlentaucher vergnügt sich prächtig mit Na Hong-jins SF-Horrorkomödie rund um eine Monsterinvasion in Südkorea.

Literarische Heulsusen

08.10.2026. Die Filmkritiker erkennen in Aaron Sorkins Film "The Social Reckoning", wie unsozial die sozialen Medien eigentlich sind. In der taz darf Maxim Biller nach Herzenslust über die Gegenwartsliteratur herziehen. Die FAZ begegnet bei der wohl letzen Performance des Pferde-Choreografen Bartabas doppelköpfigen Zentauren und weißen Feen. Der Guardian entdeckt in einer Londoner Ausstellung mit Werken Robert Rymans 50 Shades of Weiß. 

Vertrauen ins Vertraute

07.10.2026. Für die SZ unternimmt Marko Martin einen Streifzug durch die tschechische Literatur des 20. Jahrhunderts, die uns so viel für die Gegenwart lehrt. Achtung, die Influencer kommen: Backstage Classical sorgt sich mit Blick auf eine anstehende Programmreform um die Qualität der Klassik-Formate der Öffentlich-Rechtlichen. Abgründige Naturbilder mit KI-Input betrachtet die taz in einer Berliner Ausstellung; unter anderem gibt es brennende Eisberge zu bewundern. critic.de empfiehlt eine Nürnberger Retrospektive, die sich dem Regisseur Alfred Vohrer widmet - und damit einem Werk zwischen Geisterbahn und Fetischalbtraum.

An Schönheiten herrschte kein Mangel

06.10.2026. Der Deutsche Buchpreis geht in diesem Jahr an Shida Bazyar und ihren Roman "Die Lücken": Ihr ist eine "Neudefinition des Heimat-Romans" gelungen, jubeln Jury und Kritiker gleichermaßen. Die FAZ stellt den russischen Schriftsteller Dmitry Glukhovsky vor, dessen Roman "Die Registrierung" eine heftige Debatte in Russland auslöste. Die taz staunt in Magdeburg über Sean Scullys Schwarz mit gelber Vorgeschichte. Die NZZ feiert in einer Ausstellung in Weil am Rhein den Architekten Geoffrey Bawa als Pionier der tropischen Moderne. 

Es stürzen die Bücher, es fallen die Bilderrahmen

05.10.2026. Soll man Filme nachträglich bearbeiten, diskutiert die Deutsche Kinemathek im Anschluss an die Debatte um Wim Wenders und Nastassja Kinski. Die SZ erzählt, wie die Tech Bros unliebsame Filme bekämpfen. Die tschechische Kunstszene sieht sich Gefahren von rechts ausgesetzt, weiß Monopol. Der ukrainische Städtebau setzt wegen der vielen Kriegsverletzten auf Barrierefreiheit, weiß die FAZ. Für die Welt würden KI-geschriebene Bücher der Literatur ihre Grundlage als raum- und zeitüberdauerndes Gespräch entziehen.
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